Warum Brückenreden?

Warum Brückenreden?

Das Leben ist kein Stillstand. Kinder werden geboren, sie wachsen auf, werden Erwachsene.Als Erwachsene ziehen sie hinaus, finden Partner, gründen eine eigene Familie. Sie feiern runde Geburtstage und Jubiläen, Neuanfänge und Höhepunkte. Schließlich schwindet die Kraft und sie sterben. Manchmal ereilt sie der Tod auch unerwartet früh. Für ihre Familie heißt es, Abschied zu nehmen.

An all den Knotenpunkten bzw. Übergängen im Leben halten die Menschen inne und machen sich bewußt, was bisher in ihrem Leben war. Sie schauen auch voraus und versuchen abzuschätzen, wie es für sie und die Ihren weitergeht. Mit meinen Brückenreden möchte ich Menschen an diesen Knotenpunkten bzw. Übergängen des Lebens begleiten.

Stufen

(Hermann Hesse)

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

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